*52 Brahms: Doppelkonzert

Werk
Johannes Brahms
Brahms: Doppelkonzert für Violine und Violoncello
a-Moll, Op. 102
1887

Interpretation
Heinz Wallberg
Bamberger Symphoniker
Primož Novšak (Violine)
Susanne Basler (Cello)

Aufnahme
1977
Bamberg
Darnok
Wolfgang Konrad (Produktionsleiter)

Vorliegende Ausgabe
1980
Claves

Klangqualität
T&T ⭐️⭐️⭐️
Mystik, Natürlichkeit, Balance, Präsenz, Transparenz, Räumlichkeit

Gletscherfrischer Optimismus in epochalem Klang
1887 hatte Brahms in einem Sommeraufenthalt in Thun die brillante Idee, ein Doppelkonzert für Violine und Cello zu schreiben und setzte sie sogleich um. Und 93 Jahre später hatte ein Plattenlabel im selbigen Thun die Idee, die bislang beste Aufnahme des Werks neu herauszugeben. Ob Claves dabei am Thun-Bezug interessiert war oder mit Susanne Basler an der Schweizer Cello-Beteiligung oder ganz einfach am überwältigenden Sound, ist letztlich egal. Hauptsache, ein paar hervorragende Pressungen mehr der legendären Aufnahme des unbekannten und längst verloschenen Musiklabels Darnok aus Bamberg wurden an die Nachwelt weitergegeben. Das Genie hinter der Darnok-Produktion von 1977 war laut Infos im Innencover der Aufnahmeleiter Wolfgang Konrad. (Womit dann auch der eigenartige Name des Labels geklärt wäre…) Gemäss Wikipedia war Konrad selbst Violinist und als solcher ehemaliges Mitglied der Bamberger Symphoniker und gar auch im selben Streichquartett wie Susanne Basler und Primož Novšak. Danach beschäftigte er sich mit Ton- und Filmproduktionen. Vom 1. Violinist zum Aufnahmeleiter: Offenbar wusste Konrad genau, dass der beste Geiger oder die beste Cellistin der Welt alleine nichts ausrichten können, wenn ihre Kunst auf einen Tonträger soll. Für diese Regel ist die Darnok-Aufnahme des Doppelkonzerts von Brahms das beste Beispiel: Oistrach-Rostropowitsch, Schneiderhan-Starker und viele andere berühmte Paarungen grossartiger Musikerinnen und Musiker verblassen regelrecht vor der Einspielung aus Bamberg. Einfach nur beeindruckend welch Brahm’sche Wucht einem aus den Boxen entgegenschleudert, aber nicht etwa in unkontrolliertem Lärm, sondern sauber in den Dimensionen des Raumklangs verteilt. Das Cello geht sofort in die monumentale Stereo-Breite und man denkt sich, wo soll da die später einsetzende Violine noch Platz haben. Doch diese läuft in die Vertikale und überstrahlt den Klangraum von oben her. Und das Orchester dringt von hinten aus der Tiefe hervor, um alles zu durchfluten. Alles zusammen ergibt ein Klangereignis der epochalen Sorte. Von Brahms Zeitgenossen belächelt, von Intendanten und Programmdirektorinnen stiefmütterlich behandelt, selbst von Ausführenden nur halb ernst genommen, zeigen Basler, Novšak und die Bamberger auf dieser Aufnahme, was das Doppelkonzert von Brahms wirklich ist: ein Meisterwerk, so inspirierend und optimistisch wie die noch gletscherfrische und klare Luft der Voralpen, aus der es genommen ist.

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