Beethoven: Klaviersonate Nr. 1

Werk
Ludwig van Beethoven
Klaviersonate Nr. 1
f-Moll, Op. 2,1
1795

Interpretation
Alfred Brendel (Klavier)

Aufnahme
1977
Henry Wood Hall, London
Philips
Volker Straus (Produktionsleiter)
Foto © Christina Burton

Klangqualität
⭐️⭐️⭐️
Natürlichkeit, Balance, Präsenz, Transparenz, Räumlichkeit

Im Tempel der Euterpe
Die Klaviersonaten Beethovens nehmen in der Musikgeschichte einen besonderen Platz ein. Wer sich mit ihnen beschäftigt, begibt sich auf eine Reise: einerseits durch die Entwicklung eines musikalischen Genies im Laufe seines Künstlerlebens, andererseits aber auch durch die Entwicklung der europäischen Musiktradition überhaupt, wie sie am Scheideweg von Klassik zu Romantik im Schaffen Beethovens verdichtet und exemplarisch sich abbildet. Dieser Geheimbereich der klassischen Musik, dieses gleichsam Allerheiligste im Tempel der Euterpe, das nur den Eingeweihten erschlossen ist, verdient die besten Aufnahmen. Es ist klar, dass es DIE Gesamtaufnahme aller Sonaten nicht gibt. Lieber möchte man sterben, als sich für eine zu entscheiden: Brendel/Vox, Arrau/Philips, Gulda/Amadeo, Backhaus/Decca, Brendel/Philips…? Für audiophilen Klaviersound auf analogem Stereo-Vinyl ist letztere Kombination zwar stets ein heisser Anwärter, dennoch muss jede Sonate einzeln vor das Forum der ästhetischen Urteilskraft und die beste Aufnahme von Fall zu Fall erkoren werden. Die erste Sonate können wir schon mal auf das Konto der zweiten Gesamteinspielung Brendels, seiner ersten und analogen auf Philips, verbuchen. Die Sonate, aufgrund der auch Laien wissen, was eine Mannheimer Rakete ist, erklingt nirgendwo klarer und brillanter. Philips ist absolute Weltklasse darin, einen Konzertflügel holistisch auf das Vinyl zu bringen. Die Kunst Brendels kommt voll zur Geltung. Und gewissermassen wie in einem Prolog kündigt sich der Grundcharakter des ganzen Sonaten-Zyklus‘ an: Brendel erscheint als der souveräne Architekt. Er spielt Beethoven nicht nur. Er legt die Struktur des Tempels frei.

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