Werk
Ludwig van Beethoven
Klaviersonate Nr. 6
F-Dur, Op. 10,2
1798
Interpretation
Glenn Gould (Klavier)
Aufnahme
1964
CBS
Columbia Masterworks
Thomas Frost (Produktionsleiter)
Klangqualität
⭐️⭐️⭐️
Natürlichkeit, Balance, Präsenz, Transparenz, Räumlichkeit
Gould-Sound in kompromissloser Klangpräsenz
Bei Beethovens Klaviersonate Nr. 6 angelangt, vermag der bisherige unbestrittene Trumpf Brendel/Philips nicht mehr zu stechen. Die Sonate Op. 10,2 wurde von Brendel drei Jahre vor Op. 10,1 in einer Session eingespielt, deren Aufnahmen zwar klanglich gut sind, aber nicht an die brillanten Ergebnisse aus der Session von 1977 heranreichen. Glenn Gould auf CBS springt in die Bresche. Der Konzertflügel klingt hier zwar etwas trockener und mit mehr Höhen, was durchaus zur direkten Spielweise Goulds passt. Doch die kompromisslose Klangpräsenz, mit der Thomas Frost, der Produzent und Toningenieur, uns den Gould-Sound um die Ohren haut, beeindruckt und beweist, dass auch CBS Klaviermusik richtig gut einspielen kann. Und die Interpretation? Die ist Geschmacksache. Immerhin kann man einigermassen mit Sicherheit sagen, dass Gould gegenüber der Klaviersonate Nr. 5 wieder einen positiveren Zugang zu Beethoven findet. Eigenwillig ist die Interpretation immer noch, aber nicht mehr exzentrisch. Die Tempi sind immer noch hoch, aber die Musik bekommt Raum zum Ausklingen. Die energischen Ausbrüche, die wir an Gould lieben, sind ebenso vorhanden, doch während sie in der Nr. 5 ihre schlechte Laune nie verlassen, erklingen sie hier eher ironisch und klären sich gelegentlich mit Humor auf. Gould experimentiert, manchmal geht es schief, aber oft entdeckt er neue, interessante Seiten an einem Werk und die schält er dann mit Vehemenz heraus. Herrlich!
