Werk
Ludwig van Beethoven
Klaviersonate Nr. 9
E-Dur, Op. 14,1
1799
Interpretation
Glenn Gould (Klavier)
Aufnahme
1966
CBS
Columbia Masterworks
Andrew Kazdin (Produktionsleiter)
Foto © Don Hunstein/Sandy Speiser
Klangqualität
⭐️⭐️⭐️
Natürlichkeit, Balance, Präsenz, Transparenz, Räumlichkeit
Wie ein trockener, edel gereifter Weisswein
Zwei Jahre nach der Einspielung von Beethovens Op. 10 gelingt Gould/CBS eine weitere klasse Aufnahme von Op. 14, diesmal mit Andrew Kazdin als Produktionsleiter. Der Klangcharakter des Konzertflügels ist aber ganz ähnlich wie bei der früheren Aufnahme, als Thomas Frost die Regie führte. CBS findet zu seinem spezifischen Klaviersound der 60er Jahre, den wir mit Grössen wie Serkin, Horowitz, Casadesus und eben auch Gould verbinden. Während Philips auf Räumlichkeit und Volumen setzt, hören wir bei CBS das Klavier glasklar und trocken wie ein Weisswein, dafür mit Klangpräsenz. Ja, die Weinmetapher trifft es: Serviert uns Philips einen schweren, tiefgründigen Rotwein, so erhalten wir bei CBS einen trockenen, edel gereiften Weisswein. Dies gilt auch für den ersten Teil von Op. 14, der Klaviersonate Nr. 9, einem eher leichteren und kürzeren Werk unter den 32 Sonaten. Wir hören es im typischen Gould-Stil, der so gut zum Klaviersound von CBS passt: sachlich, reduziert, etwas mechanisch vielleicht, jederzeit transparent und energisch, wenn es verlangt ist. Es ist eine Lust Gould zuzuhören, seinem Vorwärtsdrängen, seinem Willen das Letzte aus Beethoven herauszuholen und wie er gleichzeitig so souverän über allem steht, als würde er im Vorübergehen über die Sonate huschen.
