Werk
Joseph Haydn
Die Jahreszeiten
Hob. XXI:3
1801
Interpretation
Wolfgang Gönnenwein
Orchester der Ludwigsburger Festspiele
Süddeutscher Madrigalchor
Helen Donath (Sopran)
Adalbert Kraus (Tenor)
Kurt Widmer (Bass)
Aufnahme
1975
Südwest-Tonstudio, Stuttgart
FSM
Heinz Jansen (Produktionsleiter)
Henno Quasthoff (Toningenieur)
Klangqualität
T&T ⭐️⭐️⭐️
Mystik, Natürlichkeit, Balance, Präsenz, Transparenz, Räumlichkeit
Des Schöpfers Hauch in klanglicher Wucht
Welche Freude,
welche Wonne
schwellet unser Herz!
Süsse Triebe,
sanfte Reize
heben unsere Brust.
Was ist das grössere Wunder: dass Haydn in der Lage ist, mit Musik in uns solche Ur-Frühlings-Emotionen auszulösen, oder dass dies über die Vermittlung eines Tonträgers gelingt? Es ist schon beeindruckend, was Jansen und Quasthoff der FONO-Schallplattengesellschaft bei der Aufnahme von Haydns Jahreszeiten mit der Gönnenwein-Truppe geleistet haben. Oratorien einzuspielen ist nämlich wegen der grossen Anzahl von Teilnehmenden nicht einfach. Oft ist am Ende eine mangelnde Klangpräsenz und unausgeglichene Balance der Stimmen zu beklagen. Hier aber wird man durchgängig von einer klanglichen Wucht überwältigt, und zwar von Chor, Orchester und Solisten gleichermassen. Unter den fähigen Händen Gönnenweins wird uns das lebensbejahende Werk Haydns mit kräftigem Zugriff präsentiert.
Einmal mehr zeigt sich, dass es für eine beste Aufnahme das passende Zusammenspiel von Komposition, Interpretation und Aufnahme braucht, und dass dies am besten gelingt, wenn die Akteurinnen und Akteuren jeder dieser drei Etappen ihren Beitrag als mit-schöpferischen Dienst verstehen. Bei aller kompositorischer Methodologie, musikalischer Nachvollziehbarkeit und technischer Erklärbarkeit, am Ende bleibt das Bekenntnis:
Was ihr fühlet,
was euch reizet,
ist des Schöpfers Hauch.
