Werk
Giuseppe Verdi
Francesco Maria Piave (Text)
1852
1854 (Bearbeitung)
Interpretation
Antonino Votto
Orchestra del Teatro alla Scala
Coro del Teatro alla Scala
Renata Scotto (Sopran)
Gianni Raimondi (Tenor)
Ettore Bastianini (Bariton)
Armanda Bonato (Sopran)
Giuliana Tavolaccini (Mezzo)
Franco Ricciardi (Tenor)
Angelo Mercuriali (Tenor)
Giuseppe Morresi (Bariton)
Virgilio Carbonari (Bariton)
Silvio Maionica (Bass)
Aufnahme
1962
La Scala, Mailand
Deutsche Grammophon
Elsa Schiller (Produzentin)
Hans Weber (Aufnahmeleiter)
Günter Hermanns (Toningenieur)
Klangqualität
⭐️⭐️⭐️
Natürlichkeit, Balance, Präsenz, Transparenz, Räumlichkeit
Imperialistische Klangentwicklung
Maria Callas war es im Mono-Zeitalter, im CD-Zeitalter vermutlich Angela Gheorghiu und im DVD-Zeitalter dann Anna Netrebko. Doch wer war im analogen Stereo-Zeitalter die Violetta? Die Hüter der Listen mit den Referenzaufnahmen sind bei dieser Frage schnell bei Ileana Cotrubas auf DG/1976. Wer aber die Traviata nicht mit Monokel und Partitur auf dem Schoss hört, sondern mit Ohren, Haut und Nieren, kann dem niemals zustimmen. Denn so grossartig Cotrubas auch singt, wenn ihre Stimme nicht mit der gebührenden Präsenz und Räumlichkeit auf den Tonträger gelangt, ist der Hörgenuss nur ein hypothetischer, kein tatsächlicher. Wer das Stereo-Klangerlebnis sucht, will keine Violetta in der Büchse, sondern eine, die ausbricht und den ganzen Klangraum einnimmt, durchströmt und gar noch über sich hinausbringt. Und in dieser Hinsicht finden wir die Violetta eher bei Joan Sutherland auf Decca/1962 oder Mirella Freni auf BASF/1973. Doch es gibt eine, die alle schlägt, und das ist die junge Renata Scotto auf DG/1962. Wow, welche Darbietung! Welche, geradezu imperialistische Klangentwicklung der ungestümen Sopranstimme! Es ist schon eigenartig, zu welch authentischen Aufnahmen die Leute der Deutschen Grammophon in den frühen sechziger Jahren in der Lage waren, während sie (derselbe Aufnahmeleiter!) sich 14 Jahre später mit einer glattgebügelten Sicherheitskopie aus der Büchse zufrieden gaben… Darum, wer die Traviata nicht zum Einschlafen braucht, sondern sie in vollen Zügen geniessen will, greift am besten zur frühen DG-Aufnahme aus der Scala. Insgesamt sind etwas viele Höhen drin, aber das Orchester ist in voller Räumlichkeit präsent. Tenor und Bariton, die beiden Germonts, klingen ebenso überschäumend wie Scotto. Alles in allem eine Traviata, die dich so schnell nicht wieder loslässt.
