*94 Mozart: Violinkonzert Nr. 1

Werk
Wolfgang Amadeus Mozart
Violinkonzert Nr. 1
B-Dur, KV 207
1773

Interpretation
Yehudi Menuhin (Violine)
Bath Festival Orchestra

Aufnahme
1963
Kingsway Hall, London
EMI
His Master’s Voice
Douglas Larter (Aufnahmeleiter)
Christopher Parker (Toningenieur)
Foto © Axel Poignant

Klangqualität
⭐️⭐️⭐️
Natürlichkeit, Balance, Präsenz, Transparenz, Räumlichkeit

Jugendliche Offensive bis ins Innenohr
Von Mozarts Violinkonzerten gibt es eine Unmenge an Aufnahmen. Die klanglich besten befinden sich aber meistens in einem Zyklus. Auch von denen gibt es viele, in unterschiedlichem Umfang. Immer mit dabei sind die Violinkonzerte Nr. 1 bis 5, dann je nachdem zusätzlich noch die zweifelhaft Mozart zugeschriebenen Konzerte Nr. 6 und 7, die beiden Doppelkonzerte sowie die drei Einzelsätze für Violine und Orchester. Oft ist ein Zyklus in sich stimmig und durchgängig gleich oder ähnlich klanglich charakterisiert. So ist z.B. bei Schneiderhan/DG allgemein eine weite Distanz zum Orchesterklang auszumachen, bei Szeryng/Philips fehlt es durchgängig an Klangpräsenz und bei Suk/Supraphon legt sich ein sanfter, matter Schleier über alles. Daneben gibt es aber auch die Zyklen, die zwischen den verschiedenen Aufnahmesessions erhebliche Qualitätsunterschiede aufweisen. Und das sind die interessanten für uns. Denn Mittelmass brauchen wir nicht und um die Taucher müssen wir uns nicht kümmern, was wir suchen, sind die Spitzenleistungen. Hier bleiben grundsätzlich noch zwei Zyklen übrig, bei denen schön saftiger Vinyl-Sound aus den Boxen strömt: Menuhin/EMI und Grumiaux/Philips. Diese gilt es nun Werk für Werk miteinander und gegenüber Einzelaufnahmen und Sprengkandidaten zu vergleichen. Es wird sich zeigen, dass die beiden Zyklen sich perfekt ergänzen.

Aber der Reihe nach! Den Anfang können wir schon mal auf das Konto von Yehudi Menuhin verbuchen, der seinen Zyklus auf EMI in der ersten Hälfte der 1960er Jahren eingespielt hatte. Zu jener Zeit setzte Menuhin als damaliger künstlerischer Leiter des Bath Musikfestivals offenbar Mozart auf das Programm und kümmerte sich als Solist und Dirigent des Bath Festival Orchestras gleich selbst um die Aufführung der Violinkonzerte. Aufgenommen wurde dann jedoch nicht live in Bath, sondern in der Kingsway Hall in London – Akustik geht vor. Bei diesen Aufnahmen ist nun aber ein Bruch auszumachen: Was 1961 zuerst eingespielt wurde, nämlich die drei grossen Konzerte Nr. 3 bis 5, ist bezüglich Klangqualität eher auf der schwachen Seite, etwas roh und ungehobelt mit fehlender Räumlichkeit. Doch alles, was in den darauffolgenden Jahren aufgenommen wurde, klingt sensationell, darunter nun auch das Konzert Nr. 1.

Als Mozart sein erstes Violinkonzert schrieb, war er 17-jährig. Die Komposition sprüht nur so von jugendlichem Übermut: einfach und edel, in der Form bleibend, doch überschwänglich und offensiv. Mit seinem spritzigen Spiel und begeisterten Orchester liefert uns Menuhin genau das. Da gibt es nichts zu interpretieren, das muss raus, wie es gedacht ist, keine Hintergedanken. Dass diese Grundstimmung bis zu uns reicht, dafür sorgen dann die Tonmeister von EMI mit einem satten und ehrlichen Sound. Auch hier: Kein Ton kann sich verstecken, alles ist offenbar. Mozarts jugendliche Offensive soll ungehemmt bis in unser Innenohr vordringen.

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