Chopin: Klavierkonzert Nr. 1

Werk
Frédéric Chopin
Klavierkonzert Nr. 1
e-Moll, Op. 11
1830

Interpretation
Stanislaw Skrowaczewski
Orchestre de la Société des concerts du Conservatoire
Alexis Weissenberg (Klavier)

Aufnahme
1967
Salle Wagram, Paris
EMI
La Voix de son maître
Paul Vavasseur (Toningenieur)
Foto © Pietro Pascuttini

Klangqualität
⭐️⭐️⭐️
Natürlichkeit, Balance, Präsenz, Transparenz, Räumlichkeit

Vorwärtsperlende Romantik unter der Mittagssonne
Wie kann es sein, dass jemand auf Discogs eine Diskografie von 550 Einträgen aufweist, aber völlig unbekannt ist? Auf Wikipedia erscheint er höchstens in einer Liste von Grammy Awards Gewinnern, aber in keinem eigenen Artikel. Die Rede ist von Paul Vavasseur, dem Toningenieur des französischen EMI-Sublabels La Voix de son maître, einem jener verkannten Künstler und geheimen Helden, die die analoge Stereo-Zeit zum goldenen Zeitalter der Audiophilie machten. Als Toningenieur der legendären Stereo-Tosca von Maria Callas hat Vavasseur sich unsterblich gemacht. Dass er einen Klavierflügel so aufnehmen kann, damit er am Ende mit brillantem Klang aus den Boxen erschallt, wissen wir von Tchaikovskys Klavierkonzert Nr. 2 mit Sylvia Kersenbaum oder von Beethovens Appassionata mit Bruno-Leonardo Gelber. Auch bei den Einspielungen der Klavierwerke Chopins mit Orchesterbegleitung hat er ganze Arbeit geleistet. So erklingt das Klavierkonzert Nr. 1 fernab von jedem ungerechtfertigten Mauerblümchen-Image als saftiges Klavier-Epos. Das gradlinige, unzweideutige Spiel Alexis Weissenbergs einer Romantik unter der Mittagssonne bricht regelrecht aus der tiefen Räumlichkeit des Orchestervorspiels hervor und bleibt auch bis in die sanften Passagen hinein offensiv und vorwärtsperlend.

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