Werk
Ludwig van Beethoven
Klaviersonate Nr. 5
c-Moll, Op. 10,1
1798
Interpretation
Alfred Brendel (Klavier)
Aufnahme
1977
Henry Wood Hall, London
Philips
Volker Straus (Produktionsleiter)
Cover Foto © Christina Burton
Klangqualität
⭐️⭐️⭐️
Natürlichkeit, Balance, Präsenz, Transparenz, Räumlichkeit
Logik der Offenbarung
Für die drei Klaviersonaten des Op. 10, in der Zählung Nr. 5–7, gibt es ein legendäres Album von Glenn Gould auf CBS. Legendär ist dabei nicht nur die eigenwillige Interpretation Goulds, sondern auch der für CBS-Verhältnisse äusserst klangpräsente Konzertflügel. Glücklicherweise wird diese Aufnahme für den ersten Teil, die Klaviersonate Nr. 5, von der Einspielung Brendels auf Philips durch eine weitere klangliche Räumlichkeit und Transparenz übertroffen. Denn dies suspendiert uns, die unmögliche Entscheidung zu treffen, ob das aberwitzige Tempo, das Gould in den beiden Ecksätzen anschlägt und das aus der Beethoven-Feinkost beinahe einen Schenkelklopfer macht, grundsätzlich, d.h. jenseits jeder möglichen audiophilen Klangqualität dyspeptisch ist. Es wird hier nie eindeutig werden, ob Goulds Spielweise fasziniert oder nervt. Bei Brendel hingegen fühlt sich alles richtig an. Er stellt sich ganz in den Dienst Beethovens, der alleine die genialen Einfälle hat und auch mal und in dieser Sonate besonders eigenwillig ist. Brendel muss da nichts hinein- oder herausinterpretieren. Seine Interpretation überzeugt gerade darin, dass sie nichts anderes sein will, als durchsichtig auf das Werk hin. Diese Logik der Offenbarung wird für uns aber nur darum einsichtig, weil der sie vermittelnde Klang aus dem Vinyl heraus dieselbe Durchsichtigkeit aufweist.
