Werk
Johann Sebastian Bach
Kantata Nr. 56 – „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“
BWV 56
1726
1732 (Bearbeitung)
Interpretation
Rudolf Baumgartner
Festival Strings Lucerne
Kammerchor ad hoc
Dietrich Fischer-Dieskau (Bariton)
Aufnahme
1965
Kunsthaus, Luzern
Deutsche Grammophon
Hans Weber (Produktionsleiter)
Günter Hermanns (Toningenieur)
Klangqualität
⭐️⭐️⭐️
Natürlichkeit, Balance, Präsenz, Transparenz, Räumlichkeit
Ad-hoc-Abendkonzert wird zum Musikereignis
Am 15. August 1963 hat Luzern neben Maria Himmelfahrt noch etwas anderes zu feiern: 25 Jahre Internationale Musikfestwochen Luzern, heute Lucerne Festival genannt. Direkt nach dem Hochamt in der Hofkirche, die einst von Felix Mendelssohn gemalt wurde, pilgert die Festgemeinde über die Kapellbrücke auf die andere Seite der Reuss ins Stadttheater. Sie müssen sich beeilen, denn um 10:30 Uhr beginnt dort der Festakt mit Ansprachen und einem feinen Musikprogramm mit Rafael Kubelik und dem Schweizerischen Festspielorchester. Diese Aufführung ist längst vergessen und nur noch als Archiveintrag präsent. Das zeitüberdauernde Musikereignis des Tages findet erst am Abend um 20:00 Uhr unweit des Stadttheaters im Kunsthaus von Luzern statt. Im Rahmen eines barocken Kammerkonzerts des lokalen Festivalorchesters und eines Ad-hoc-Kammerchors unter der Leitung von Rudolf Baumgartner tritt Dietrich Fischer-Dieskau auf. Und seine drei Stücke, darunter Bachs Kreuzstabkantate, können wir heute noch hören. Denn es ist ein Aufnahmeteam der Deutschen Grammophon nach Luzern gereist, um das Abendkonzert mit Ad-hoc-Charakter ein bleibendes Musikereignis werden zu lassen. Dabei ist es nicht klar, ob die Aufnahme tatsächlich von jenem Abend am 15. August stammt, also live ist, oder vom darauffolgenden Tag, wie es die CHARM-Datenbank berichtet. Sonnenklar hingegen ist, dass Hans Weber und Günter Hermanns die Akustik des Konzertsaales im alten Kunsthaus von Luzern hervorragend eingefangen haben. Fischer-Dieskau hat ein paar Jahre später die Kreuzstabkantate noch einmal mit Karl Richter für eine DG-Archiv-Produktion eingespielt, völlig unnötig. Die Version aus Luzern ist eine Wucht! Ein wunderbar transparenter Klang, bei dem Sänger, Oboe und Orchester perfekt im Raum verteilt sind, kräftig, unmittelbar und vom Vorspiel bis zum Schlusschor voller Spannung.
Links
Discogs
Spotify
Youtube
Archiv des Lucerne Festivals (15.08.1963)
CHARM-Datenbank
Mendelssohn, Ansicht von Luzern
